Navigieren in Turbenthal

Vielfältiges dörfliches Gewerbe

Die Hutzker Taverne zum Hirschen im Jahr 1920. (Quelle: Archiv Christian Meier)

Die wirtschaftliche Struktur macht Turbenthal-Dorf im Mittelalter und in der frühen Neuzeit zu einem Sonderfall, denn die Landwirtschaft spielt hier nur eine untergeordnete Rolle.

Das Dorf ohne Zelgen

In historischen Schriften wird es deshalb als «Dorf ohne Zelgen» bezeichnet. In den umliegenden Dörfern und Weilern ist die Landwirtschaft jedoch mit Abstand der wichtigste Wirtschaftszweig. Turbenthal-Dorf und die heute zur politischen Gemeinde Turbenthal zählenden Dörfer, Weiler und Höfe bilden denn auch bereits eine wirtschaftliche Einheit.

Drei Ebenen der Gewerbestruktur


Die Gewerbestruktur Turbenthals lässt sich in drei Ebenen gliedern. Die oberste bilden die ehaften Gewerbe. Eine Ehafte ist an eine Betriebsbewilligung gebunden, die vom Gerichtsherrn ausgestellt wird und ziemlich viel Geld kostet. Dazu zählen Mühlen, Tavernen, Schmieden und manche mehr. Da der Erwerb einer Ehafte ein relativ hohes Vermögen voraussetzt, gehören die Inhaber solcher Gewerbe in aller Regel zur dörflichen Elite.
Die zweite Ebene bilden Gewerbetreibende wie Weber, Schneider oder Schuhmacher. Sie gehören dem Mittelstand an und können in guten Zeiten anständig von ihrem Gewerbe leben.  Die dritte Ebene bildet diejenige Schicht, die stets nahe am Prekariat lebt: Dreher, Drechsler, Krämer, Korbflechter und Kleinküfer.

Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 66 - 68