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Die Dorfgemeinde entsteht

Die Bauernfamilie Jucker um 1900. (Quelle: Archiv Christian Meier)

Turbenthal beginnt ab dem 15. Jahrhundert, kontinuierlich und manchmal gar sprunghaft zu wachsen. 1637 zählt das Dorf rund 590 Einwohnerinnen und Einwohner. Bis ins Jahr 1700 steigt die Einwohnerzahl auf 1200 und an der Schwelle zum 19. Jahrhundert (1797) auf 1950 Personen. 

Bevölkerungswachsum als Bedrohung

Das Bevölkerungswachstum wird zunehmend als Bedrohung empfunden. Um es einzudämmen, greift Turbenthal zu denselben Massnahmen wie fast alle mittelalterlichen Dorfgemeinden. Eine davon besteht darin, dass man die Dörfer mit einem Zaun, einem sogenannten «Etter» umgibt. Nur wer innerhalb des Dorfetters wohnt und daselbst über ein Haus oder einen Hausteil verfügt, darf an den gemeinsamen Gütern, den sogenannten Dorfgerechtigkeiten, partizipieren. 

"Einzugsbriefe" als Abgabe für Neuzuzüger

Darüber hinaus erwirkt man vom Kyburger Vogt einen sogenannten «Einzugsbrief». Fortan muss jeder, der in Turbenthal leben möchte, eine stattliche Gebühr bezahlen. Zusätzlich werden die Regeln zur Nutzung der gemeinsamen Güter immer detaillierter. Um das alles im Alltag umzusetzen, braucht es eine Dorfvorsteherschaft, deren Funktion immer wichtiger wird. Zunächst besteht sie aus zwei Dorfmeiern; der eine kümmert sich um die Finanzen und wird deshalb später als Säckelmeister bezeichnet, der andere um die allgemeine Verwaltung. Im 18. Jahrhundert wird das Leitungsduo durch einen Gemeindeschreiber ergänzt. 
Alle diese Massnahmen führen dazu, dass sich die Dorfbevölkerung zunehmend als Einheit und damit als Dorfgemeinde versteht.

Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 64 - 68