Heimindustrie - vom Neben- zum Haupterwerb
Im 17. und 18. Jahrhundert verbreitet sich in Turbenthal und den anderen Tösstaler Gemeinden das Spinnen und – in kleinem Ausmass – das Weben von Baumwolle in Heimarbeit. Der Baummwollmarkt boomt vor allem in den Städten Zürich und Winterthur.
Textilwirtschaft mit klarer Arbeitsteilung
Der Handel mit Baumwollstoffen folgt einer klaren Arbeitsteilung. Die Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter in Turbenthal produzieren Baumwollfaden und Baumwolltuch, Fergger besorgen den Transport zu den städtischen Händlern, und in den Städten wird der Stoff weltweit gehandelt. Auf Fergger trifft man auch in Turbenthal, beispielsweise in Oberhofen.
Heimarbeit weit verbreitet
Im späten 18. Jahrhundert spinnt in Hutzikon mindestens jede zweite Bauernfamilie Baumwolle, in Neubrunn und Seelmatten praktisch jeder Haushalt. Dass die Baumwollverarbeitung auf den vielen kleinen Bauernhöfen im Pirg sehr rasch Einzug hält, ist keine Überraschung. Hier sorgt der Zusatzerwerb, der schon bald vielerorts zum Haupterwerb wird, für ein Einkommen, von dem man gut leben kann.
Aber leider nicht ewig. Schlechtere Zeiten brechen im 19. Jahrhundert an.
Fabriken verdrängen die Heimarbeit
Die fabrikmässige Verarbeitung von Baumwolle tritt in Konkurrenz zu den Heimarbeiterinnen und Heimarbeitern. Nun brechen die Preise ein. Die Heimarbeiterfamilien versuchen, den drohenden Einkommensverlust durch längere Arbeitszeiten zu kompensieren. Umsonst. Ihnen bleibt am Schluss nur noch die Option, eine schlecht bezahlte Stelle in der Fabrik anzunehmen oder arbeitslos zu werden und definitiv in die Armut zu geraten.
Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 83 - 88