Straussenhandel und Züriputsch
Nicht alle Bevölkerungsschichten fühlen sich von der liberalen Kantonsregierung angemessen vertreten. Vor allem Bauern gewinnen den Eindruck, dass sie zu hohe Grundzinsen zahlen müssen, während das Industrie- und Bildungsbürgertum finanziell geschont wird. Auch konservative, strenggläubige Kreise sehen sich vom neuen Kanton nicht repräsentiert. Es gärt in breiten Teilen der Bevölkerung.
Der Eklat von 1839
1839 kommt es zum Eklat. Der Zürcher Regierungsrat beruft den Theologen David Friedrich Strauss als Professor an die Universität Zürich. Strauss vertritt äusserst provokante Thesen, so etwa, dass Jesus ein Mythos sei und nie gelebt habe. Sofort bildet sich ein vehementer Widerstand gegen diese Berufung. Der Regierungsrat merkt zwar rasch, dass er zu weit gegangen ist, und schickt den Theologen noch vor seinem Amtsantritt in Pension. Aber der Widerstand lässt sich nicht aufhalten. Überall im Kanton entstehen sogenannte «Glaubenskomitees».
Turbenthal reagiert besonnen
Die Gemeinde Turbenthal reagiert zunächst zurückhaltend. Der Stillstand formuliert an die Adresse der Zürcher Regierung ein Schreiben, in dem er seinen Unmut über den Berufungsentscheid ausdrückt. Aber das Schreiben überzeugt die Dorfbewohner nicht; sie fühlen sich, wie ein grosser Teil der Zürcher Landbevölkerung, von den liberalen Neuerungen überfordert.
Marsch auf Zürich
Als der Pfäffiker Pfarrer Bernhard Hirzel am 5. September 1839 zum Aufstand gegen die radikal-liberale Kantonsregierung aufruft, sind auch Turbenthaler zur Stelle. Der «Schlachtzug» gegen die Stadt Zürich geht als Züri-Putsch in die Geschichte ein. Er wirkt, obwohl es nur zu einem Scharmützel kommt, so gewaltig nach, dass die liberale Regierung demissioniert. An ihre Stelle tritt eine konservativere Regierung, die jedoch die meisten Errungenschaften des liberalen Umbruchs von 1831 unangetastet lässt. 1844 erringt wieder eine liberale gesinnte Mehrheit die Oberhand im Kanton Zürich.
Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 127 - 130