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Vom Textil- zum Immobilienunternehmen

Wohnhaus der Eskimo Textil AG im Bau. (Quelle: Annette Carlin)

Der Wandel vom Industrie- zum Dienstleistungsstandort zeigt sich namentlich bei der Entwicklung der beiden bedeutendsten Turbenthaler Textilunternehmen, der Boller Winkler AG und der Eskimo Textil AG.

Kluge Strategie - aber unausweichliches Ende

Die Boller Winkler AG erkennt Ende der 1950er Jahre, dass die Zukunft des Unternehmens nicht in der Massenproduktion liegt, sondern bei hochklassigen und hochpreisigen Textilien. 1959 gründet Boller die Schlossberg Switzerland. Ein Jahr später ergänzt die Marke «Bonjour» das Produktesortiment. Der Name «Schlossberg» steht für edle Bettwäsche, «Bonjour» für exklusive Frottierkollektionen. Während Jahrzehnten floriert das Geschäft. Dann muss sich die Boller Winkler AG der globalen Entwicklung beugen. Zuerst schliesst die Spinnerei, 2007 auch die Weberei. In Turbenthal verbleiben die kreativen Prozesse rund um die Schlossberg-Produkte. Heute ist die Boller Winkler AG in erster Linie eine Immobilienfirma.

Langjähriger Erfolg ohne Happy End

Mit der Geschichte der Boller Winkler AG vergleichbar ist diejenige der Schweizerischen Decken- und Tuchfabriken Pfungen-Turbenthal AG. Ab 1972 nennt sich das Unternehmen Eskimo Textil AG. Auch hier konzentriert man sich auf die Produktion edler und hochpreisiger Produkte, nämlich auf Decken aus Kashmir-, Kamel- und Lamawolle. Noch kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert laufen die Geschäfte gut. Die Eskimo Textil AG beschäftigt rund 140 Angestellte, und das Unternehmen investiert enorme Summen in den Ausbau seiner Infrastruktur.  Aber die Asienkrise von 1997/98 führt zu einem immensen Absatzrückgang und einem unaufhörlichen Preiszerfall. 2001 stellt die Eskimo Textil AG die Produktion in Turbenthal ein und verlegt sie in verschiedene europäische Staaten. 2013 wird die ganze Produktion an die neu gegründete Eskitex AG mit Sitz in Turbenthal ausgelagert. Die Eskimo Textil AG konzentriert sich fortan auf den Handel, die Fabrikläden und vor allem auf das Immobiliengeschäft. Bereits 2003 werden die ehemaligen Produktionshallen in Lofts umgebaut. In der Folge nutzt die Eskimo Textil AG ihre Fabrikareale konsequent um und baut in Turbenthal und Pfungen Mehrfamilienhäuser.

Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 270 - 274

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