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Niedergang der Hausindustrie

Die ehemalige Sticki auf einer Flugaufnahme aus dem Jahr 1954. (Quelle: Archiv Christian Meier)

Die Heimindustrie, die für den Hauptverdienst vieler Turbenthaler Kleinbauernfamilien sorgt, geht im 19. Jahrhundert laufend zurück. Bereits ab 1830 schrumpft die Zahl der Spinnräder für Baumwolle in den Bauernstuben. Viele Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter müssen deshalb für einen schlechten Lohn in einer der neuen Fabriken anheuern. Einige können auf die Baumwollweberei ausweichen, die sich aber ab etwa 1850 ebenfalls mehr und mehr in Fabriken verlagert. 

Chance Seidenweberei

Für die geschickteren Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter bietet sich jedoch ein Ausweg: die Seidenweberei. Noch einige Jahrzehnte lassen sich wertvolle Seidenstoffe nicht maschinell herstellen. So bleibt dieser Bereich der Textilproduktion auf die Heimindustrie angewiesen. Aber im späten 19. Jahrhundert übernehmen auch hier Fabriken das Ruder. 

Letzter Ausweg Seidenstickerei

Der letzte Bereich, der zumindest teilweise in Heimarbeit betrieben wird, ist die Seidenstickerei. Weil die Anschaffung einer Seidenstickmaschine erhebliche Kosten verursacht, trifft man auch hier schon in den Anfängen dieser Modeerscheinung auf Fabriken. In Turbenthal etwa spezialisiert sich 1870 die Firma Winkler auf die maschinelle Stickerei. Daneben können sich einige Turbenthalerinnen und Turbenthaler als Sticker etablieren. 

Das definitive Ende der Hausindustrie

Doch nach der Wende zum 20. Jahrhundert kündet sich der Niedergang der Stickereiindustrie an. Der Modegeschmack verändert sich,  Stickereien sind immer weniger gefragt. 1912 stellt die Firma Winkler die Stickereiproduktion ein, und auch die Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter müssen aufgeben. Schon bald ist die Heimarbeit aus Turbenthal ganz verschwunden.

Mehr dazu im Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 147 - 150