Die Industrie wächst
Die Pionierphase der Turbenthaler Industrie beginnt, wie beschrieben, in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts mit der Textilproduktion. Von den drei in diesem Zeitraum gegründeten Fabriken hat nur diejenige von Johannes Wolf eine Zukunft. Eine vierte, eine mechanische Spinnerei, rufen Johann Kaspar Winkler und Rudolf Stahel 1833 etwas ausserhalb des Dorfkerns von Hutzikon ins Leben. Die Fabrik wächst rasch. 1840 übernimmt Winkler die Anteile von Stahel. 1878 stirbt der Firmengründer und wenige Monate später sein Sohn. So wird Caspar Emil Winkler Chef des Unternehmens und führt es zusammen mit Spinnereidirektor Johann Rudolf Bosshard zur Blüte.
Die Boller Winkler & Cie. entsteht
In Wila gründet Johann Jakob Boller 1878 ein Gewebe-Manufakturgeschäft. 1880 zieht er nach Turbenthal. 1899 tritt der älteste Sohn, der wie sein Vater Jakob heisst, in das Unternehmen ein. 1903 heiratet er die Tochter von Caspar Emil Winkler, Helene Winkler. 1906 schliessen sich die beiden Firmen zur Spinnerei und Weberei Turbenthal zusammen. Ab 1922 nennt sich das Unternehmen Boller Winkler & Cie.; inzwischen ist es eines der wichtigsten Turbenthaler Industrieunternehmen.
Die Decken- und Tuchfabriken Pfungen-Turbenthal
Derweil durchläuft das 1825 von Johannes Wolf gegründete Textilunternehmen verschiedene Besitzerwechsel, bis es 1892 unter dem Namen «Deckenfabrik Zoeppritz, Wagner & Cie.» beginnt, Decken zu produzieren. 1900 schliesst sich die Fabrik mit einer Konkurrentin zusammen, die 1854 in Pfungen gegründet wurde, und nennt sich nun «Schweizerische Decken- und Tuchfabriken Pfungen-Turbenthal AG». Es ist der Anfang einer eindrücklichen Erfolgsgeschichte, die bis weit ins 20. Jahrhundert reicht.
Eine Wechselhafte Fabrikgeschichte
Eine sehr wechselhafte Geschichte durchläuft die «obere Fabrik». Der Besitzer Heinrich Bosshard wechselt bereits im 19. Jahrhundert die Branche und macht sich in der Fabrikation von Sägeblättern und Werkzeugen einen Namen. 1907 steigt Emil Bühler in das Unternehmen ein und übernimmt es 1914 vollständig. Die Geschichte des Unternehmens dauert bis heute an, jedoch nicht mehr in Turbenthal. Der Firmensitz ist seit 2022 in Davos, und der Betrieb fokussiert sich auf die Beratung von Kunden. Die Produktion ist ausgelagert worden und wird von verschiedenen Partnerunternehmen wahrgenommen.
Mehr dazu in Buch "1200 Jahre Turbenthal", S. 150 - 156