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Französische Passion

Debussys Streichquartett kombiniert mit Liedern von Berlioz, Massenet, Fauré und Ravel - die Themen Leid, Tod, Trauer und Trost in musikalisch faszinierend neuem Licht.

Ganz seinem Namen und einer mittlerweile schon 15-jährigen Tradition verpflichtet, spielt das Ensemble Passio (ehemals Kammerphilharmonie Winterthur) jeweils in der Zeit vor Ostern ein Programm, das gewichtige Werke der Streichquartett-Literatur mit Vokalmusik verbindet. So sind Programme entstanden, die einen bestimmten Kulturraum ins Zentrum rückten (An English Passion, Wiener Passion) oder einem einzelnen Komponisten (Schubert, Mendelssohn) gewidmet waren. Die inhaltliche Spannweite der Vokalwerke erstreckt sich von sakraler Passionsmusik im eigentlichen Sinne bis hin zu weltlichen Liedern, die dunkle Grundthemen des Menschenlebens wie Schmerz, Verlust, Tod, Verlassenheit und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung durch Hoffnung und Trost reflektieren.

Im neuen Programm taucht das Ensemble Passio in die französische Musik der zweiten Hälfte des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts ein. Das instrumentale Zentrum bildet das hochpoetische Streichquartett von Claude Debussy, das an der Schwelle zu einer neuen Epoche steht, formal zwar noch der Tradition verpflichtet ist, inhaltlich aber bereits den für Debussy so typischen Reichtum an Einflüssen und Farben in sich vereint. Mit zarten Anklängen an die alten Kirchentonarten erschafft Debussy dabei Assoziationen, die den Zuhörenden in sakrale Räume aus vorbarocker Zeit zurückträumen lassen. Ebenfalls aus der Renaissance schöpft Maurice Ravel das Motiv und die musikalische Form zu seiner Pavane pour une infante défunte. Das im Titel evozierte schreckliche Ereignis, der Tod einer Königstochter, erhält im ernsten Duktus des alten Tanzes und in Ravels wundervoller Musik (auch in der Streichquartettfassung leuchtet ihre dunkle Schönheit eindringlich) eine tröstende Antwort.

Die Vokalwerke des Programms umfassen einige der grossartigsten Lieder der französischen Romantik. Dabei wird der unverwechselbare Personalstil Hector Berlioz' ebenso hörbar wie der Facettenreichtum im vokalen Schaffen Gabriel Faurés oder die Emotionalität und harmonischmelodische Schönheit der Musik Jules Massenets. Die Texte von Théophile Gautier, Jean Richepin, Armand Silvestre u.a. erzählen von Verlust, Vergänglichkeit und Tod und suchen Trost in den Vorgängen der Natur als Spiegel des menschlichen Daseins (Elégie, Automne). Andere Gedichte finden ihren Trostgrund in Orten und Riten des religiösen Kultes (Lagunes, Cimetière), und wieder andere sind religiöse Texte im eigentlichen Sinne: Die Prière von Stéphan Bordese, ein glühendes Bittgebet, dem Fauré ein wunderbar leicht bewegtes musikalisches Gewand verleiht und natürlich das jüdische Kaddish-Gebet, das Ravel so eindrücklich und bewegend vertont. Seine nahe und unüberhörbare Verwandtschaft zum christlichen Vaterunser zeigt nicht nur die gemeinsame Quelle beider Religionen sondern auch die verbindende und Zeit und Raum übergreifende Gültigkeit dieser Verse. Die Werke des Programms werden aus ihrem gewohnten Kontext, dem reinen Lieder- beziehungsweise Quartettabend, gelöst, und werden durch vielfältige Kombination und Gegenüberstellung mit der jeweils anderen Gattung in ein faszinierend neues Licht getaucht.

Veranstaltungsort

Evang.-ref. Kirche Sitzberg
Sitzberg 
8495  Schmidrüti
Lageplan

Weitere Information

Eintritt frei, Kollekte

Allgemeine Angaben

Tel. 052 242 05 15
martin.bauder.zuzakNULL@gmail.com

Organisator

Ensemble Passio